Erntedankfest, Tag der Deutschen Einheit und die momentanen Diskussionen

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Schlossfest Hainewalde

Schlossfest Hainewalde 2016

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Johannes Gaudium 11. und 12. Juni 2016.Unter dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“ wird es ein weiteres Historien Spectaculum in Forst /Lausitz wir waren dabei. [Zeige eine Slideshow] More »

Brauereifest Löbau 2016 - Das Fest zum Jubiläum

Bergquell Brauereifest Löbau 2016 Das Fest zum Jubiläum

Steffen Dittmar hat am Freitag die Ehrenbürgerwürde erhalten.Herzlichen Glückwunsch. Von The Firebirds zu Jenix live / Marquess uvm waren zu 170 Jahre Brauerei Bergquell Löbeu zu erleben. [Zeige eine Slideshow] More »

Die Raubritter vom Valtenberg 2016

Die Raubritter und mehr vom Valtenberg 2016

Es war wieder ein wahnsinnig tolles Wochenende mit vielen Freunden und Bekannten. Ein großes Dankeschön an alle, die mitgewirkt haben, besonders an die Leute von unserem Team, die mal wieder alles gegeben More »

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Erntedankfest, Tag der Deutschen Einheit und die momentanen Diskussionen

Erntedankfest, Tag der Deutschen Einheit und die momentanen Diskussionen.
Nachstehende Predigt ist ein Zeitdokument! Viel Spaß beim Lesen!
Heinz Eggert

Pfarrer Heinz Eggert
Die vorwärtstreibende Unruhe
Predigt zum Erntedankfest in der Oybiner Bergkirche,
8. Oktober 1989

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Jesaja 58,7

Alle reden vom Wetter – nur wir nicht, hieß einmal ein Slogan vergangener Jahre.

Momentan reden wir alle von „einem“, so dass es wieder entspannend sein könnte, einmal über das Wetter zu reden.

Vielleicht geht es Ihnen auch so: Abends nimmt man sich vor, am nächsten Tag über etwas ganz anderes zu sprechen und verfällt doch wieder dem Thema, das jetzt alle bewegt.

Nur unsere Medien sind davor gefeit. Sie wissen: Unsere Menschen wollen das nicht sehen oder hören oder lesen. Und überraschen uns mit Erfolgsserien und chinesischer Folklore.

Natürlich nicht mit den chinesischen Grausamkeiten gegen das eigene Volk!

Aber das überrascht uns wiederum nicht!

Wir feiern heute das Erntedankfest!

Aber wohl dem, der weiß, was er tut.

Denn im Fest feiert der Mensch den Sinn seines Lebens – oder er feiert nicht.

Wer feiert, sagt in voller Zustimmung zum Leben, lautes oder leises, dankbares und frohes JA. Und er sagt es freiwillig und mit eigenen Worten.

Undenkbar eine Geburtstagsfeier, zu der man die Gäste einschließt und dann verlangt, froh und fröhlich zu feiern.

Undenkbar!

Alle reden vom Wetter.

Momentan reden viele von dem, was sie nicht haben, was sie entbehren, wonach sie sich sehnen, was sein müsste, weil sie das Gefühl haben, dass viele Wünsche und Träume und Sehnsüchte auf der Gefällestrecke des Lebens wieder zurückgerutscht sind, aus diesen oder jenen Gründen.

Und ich denke, bei allen, die legal oder illegal dieses Land verlassen haben, und bei denen die Gründe dafür viel differenzierter betrachtet werden müssen, als es die Medien in Ost und in West mit ihrer Grobdarstellung wollen und vermögen,

aber mit empfundenen Defiziten des Lebens hat es schon etwas zu tun, mit dem Gefühl zu kurz gekommen zu sein.

Momentan scheinen Weisheit, Verstehen, Respekt und Toleranz denen gegenüber, die anders denken, weit entrückt zu sein.

Auf beiden Seiten.

Was feiern wir? Auf welchen Sinn vertrauen wir? Welche lebendigen Hoffnungen haben wir? Wovon leben wir?

Auf diese Fragen müssen wir eine tragfähige Antwort finden, oder zumindest die Richtung zur Beantwortung andeuten, wenn diese geschmückte Kirche heute Morgen nicht bloß vorgegebene Kulisse sein soll, wenn alles, was wir heute singen und sagen,

nicht bloß hohle Phrasen sein sollen.

„Wie kannst du eigentlich so ruhig bleiben und hier die Kirche schmücken bei allem, was politisch so um dich herum vorgeht?“, wurde ich gestern Morgen gefragt, als ich dabei war, die Erntegaben aufzubauen.

Nun, ruhig war ein Irrtum. Das wusste ich. Es schien nur so.

Selbst wenn die Verhältnisse nicht so sehr an den Nerven zerrten, jede Vorbereitung des Erntedankfestes – auch in früheren Jahren – hatte mich unruhig gemacht.

Das beruhigend schöne Bild der aufgebauten Gaben, der brennenden Kerzen, der Besucher, die sich daran freuten und im Gegensatz dazu das Wissen, wie der fortschrittsbegeisterte Materialismus die Achtung verloren hat vor dem lebendig Gewachsenen, vor der natürlichen Umwelt.

Wie mit ökologisch unverantwortlichen Maschinen gepflügt wird, in welchem Übermaß Dünger und Gülle auf den Boden gebracht wird, so dass an manchen Tagen in unseren Dörfern statt reinem Trinkwasser verdünnte Gülle aus dem Wasserhahn kommt.

Wie wir aus der Tierwelt ein einziges Schlachthaus gemacht haben.

Wie die Wälder absterben, so dass die Forstarbeiter Giftzuschläge bekommen und die Urlauber Kurzuschläge bezahlen. Für denselben Wald!

Wie die Natur nicht mehr als Nährmutter gesehen wird, sondern nur noch Objekt der Gier nach mehr materiellem Reichtum geworden ist.

Das alles hat mich schon immer unruhig gemacht.

Verstärkt wurde diese Unruhe dadurch, dass viele es nicht sehen wollten und jene, die gesehen haben, schwiegen, weil sie Angst vor den angedrohten Konsequenzen hatten.

Dieser Gegensatz hat mich schon immer in Unruhe versetzt.

Und dass diese Unruhe eine vorwärtstreibende Unruhe bleibt, wünsche ich uns allen.

So dass wir einmal alle Erntedank feiern können, in dem Bewusstsein, das Land, das uns nährt nicht nur ausgebeutet, sondern auch bewahrt zu haben.

Aber um diese Unruhe schöpferisch und phantasievoll umzusetzen, so dass sie lebenserhaltend wird, – und wir brauchen alle viel mehr schöpferische Phantasie

– brauche ich gute und hoffnungsvolle Erlebnisse, die geprägt sind von Freundschaft, Schönheit, Geborgenheit und Liebe.

Und in Zeiten, in denen wir die Defizite unseres Lebens fast schmerzhaft spüren, brauchen wir die Besinnung auf das, was wir haben, wovon wir leben, die Besinnung darauf, woher wir Kraft und Mut zum Leben nehmen.

Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupte fliegen, kannst du nicht ändern, aber dass sie Nester bauen, in deinem Haar, das kannst du verhindern. (Chin. Sprichwort)

Diese Kirche, in der wir heute Erntedankfest feiern, ist in unruhigen Zeiten unter persönlichen Opfern gebaut worden.

Gebaut worden, um Raum und Zeit zu geben darüber nachzudenken, was Leben im tiefsten Sinne menschlicher Existenz zum Leben macht, um darüber nachzudenken, wovon wir leben, was wir als selbstverständlich nehmen und was sich nicht von selbst versteht.

Es ist eine alte Erfahrung, dass wir uns aufhelfende, aus dem Teufelskreis der Resignation herausführende Worte, oftmals nicht selbst sagen können, sondern das sie uns zugesprochen werden müssen.

Hören wir deshalb noch einmal die einprägsamen Worte des Jesaja (58,9)

Brich dem Hungrigen dein Brot. Nimm den Obdachlosen in dein Haus. Bekleide den Nackten. Entzieh dich deinem Mitmenschen nicht. Wenn du aus deiner Mitte die Bedrückung entfernst, Die sich immer nur selbst rühmt. Und ihre Rede gegen andere führt, Dann wird im Dunkeln ein Licht strahlen. Dann wir Gott dich leiten. Und selbst in Kargen Zeiten sättigen.

Als Jesaja vor fast 3.000 Jahren seinen Mitbürgern diese Worte sagte, da wollte er ihnen, die sie schon lange Jahre im Frieden, die sie in guten wirtschaftlichen Verhältnissen lebten, darauf aufmerksam machen, dass der eigentliche Gottesdienst auch ein vor Gott sozial verantwortliches Handeln ist.

Er als Älterer wollte den Jüngeren aufzeigen, was sie alles schon besaßen und nicht teilten ohne dass es ihnen bewusst war.

Wir kennen das Problem, wenn die Älteren den Jüngeren begreifbar machen wollen, dass sie es gut haben. 44 Jahre kein Krieg, jeden Tag satt zu essen.

Wir kennen das, wenn keine Seite die andere verstehen will, das liegt – glaube ich – daran, dass Dankbarkeit nicht eingeredet werden kann, sondern aus dem eigenen Erleben kommen muss.

Oft bedingt durch die Erfahrungen die wir mit den Gegensätzlichkeiten unseres Lebens machen müssen.

(Und ganz nebenbei gesagt, sind wir ja mit all unseren Erfahrungen noch nicht am Ende.)

Können wir erst dann für jedes Stück Brot dankbar sein, das wir heute viel zu billig erwerben, wenn wir nicht mehr wissen, was wir unseren Kindern zu essen geben können?

Was haben wir denn den Millionen dieser Erde voraus, die vor Hunger nicht in den Schlaf kommen und nicht wissen, was es heißt satt zu sein?

Was haben unsere Kinder den 4.000 Kindern voraus, die täglich vor Hunger sterben?

Lassen wir diese Fragen ruhig in uns hinein, ohne sie gleich mit dem Blick in die noch reichere Bundesrepublik abzuwehren.

Ich bin überzeugt, selbst ein Besuch in Polen, Rumänien oder der SU würde uns sehr, sehr nachdenklich machen.

(Es ist ja das Paradoxe, das jene, die von uns Dankbarkeit dafür verlangen, dass wir in diesem Staat leben dürfen, uns einsperren und dadurch gerade jene Vergleiche unmöglich machen.)

Dankbarkeit kann nicht eingeredet werden.

Können wir erst für unsere Gesundheit und die Gesundheit unserer Kinder dankbar werden, wenn unser Leben im höchsten Maße gefährdet ist? Mir macht jeder Krankenhausbesuch deutlich, dass ich allen gegenüber die da bleiben müssen bevorzugt bin, wenn ich dieses Haus wieder verlassen kann. Eine Selbstverständlichkeit, die sich nicht von selbst versteht.

Nichts ist selbstverständlich in unserem Leben und die Frage- Warum denn gerade ich ? Sollte nicht nur in Notsituationen gestellt werden, sondern ganz bewusst auch an jedem Tag – an dem wir – Gott sei Dank – solche Situationen nicht erleben müssen.

Warum gerade wir nicht?

Wer von uns dadurch nachdenklicher und dankbarer wird, der wird auch sensibler für Andere! „Brich mit dem Hungrigen dein Brot.“ Wenden wir die Fantasie und Kraft auch für das Brot der anderen als wollten wir selbst dazu kommen.

Und dazu gehört auch, dass wir untereinander Kraft an Kraftlose, Fröhlichkeit an die Traurigen und Zuversicht an die Resignierten weitergeben.

„Entferne aus Deiner Mitte Bedrückung, die sich selber rühmt und die Rede gegen andere führt.“

Damit sind wir alle gemeint. Nicht nur die kirchlichen Mitarbeiter, nicht nur jene, die für das NEUE FORUM eintreten, nicht nur jene, die man am Republikgeburtstag zusammengeschlagen oder eingesperrt hat.

Wir stehen noch viel zu weit auseinander.

Wir halten unsere Häuser untereinander noch zu verschlossen.

Da kann die Not noch nicht zu groß sein.

Dankbarkeit vor Gott, dem Schöpfer, für die bunte Vielfalt des Lebens heißt auch, sich für diese bunte Vielfalt einzusetzen. Sich dem Mitmenschen nicht zu entziehen, auch seine Wünsche, Träume und Hoffnungen mit in den Blick zu bekommen. Wenn das geschieht, dann wird ein Licht im Dunkel strahlen, dann wird Gott uns leiten und selbst in kargen Zeiten sättigen. Erntedankfest.

Wir haben geerntet, oftmals auch dort, wo wir uns nicht bemüht haben, auch dafür können wir dankbar sein. So dass wir im Feiern den Sinngrund unseres Lebens feiern. Unser Leben ist eine Vorgabe Gottes. Freude und Dankbarkeit geben einen langen Atem.

Und den brauchen wir.

Ich bin das Brot des Lebens – sagt Jesus Christus.

Er ist unser Friede – sagt die Gemeinde, Amen.

Heinz Eggert

Staatsminister a.D

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Face to Face Warriors of Steel – Schaukampfteam Oberlausitz