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Tag Archives: Heinz Eggert

Erntedankfest, Tag der Deutschen Einheit und die momentanen Diskussionen

Erntedankfest, Tag der Deutschen Einheit und die momentanen Diskussionen.
Nachstehende Predigt ist ein Zeitdokument! Viel Spaß beim Lesen!
Heinz Eggert

Pfarrer Heinz Eggert
Die vorwärtstreibende Unruhe
Predigt zum Erntedankfest in der Oybiner Bergkirche,
8. Oktober 1989

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Jesaja 58,7

Alle reden vom Wetter – nur wir nicht, hieß einmal ein Slogan vergangener Jahre.

Momentan reden wir alle von „einem“, so dass es wieder entspannend sein könnte, einmal über das Wetter zu reden.

Vielleicht geht es Ihnen auch so: Abends nimmt man sich vor, am nächsten Tag über etwas ganz anderes zu sprechen und verfällt doch wieder dem Thema, das jetzt alle bewegt.

Nur unsere Medien sind davor gefeit. Sie wissen: Unsere Menschen wollen das nicht sehen oder hören oder lesen. Und überraschen uns mit Erfolgsserien und chinesischer Folklore.

Natürlich nicht mit den chinesischen Grausamkeiten gegen das eigene Volk!

Aber das überrascht uns wiederum nicht!

Wir feiern heute das Erntedankfest!

Aber wohl dem, der weiß, was er tut.

Denn im Fest feiert der Mensch den Sinn seines Lebens – oder er feiert nicht.

Wer feiert, sagt in voller Zustimmung zum Leben, lautes oder leises, dankbares und frohes JA. Und er sagt es freiwillig und mit eigenen Worten.

Undenkbar eine Geburtstagsfeier, zu der man die Gäste einschließt und dann verlangt, froh und fröhlich zu feiern.

Undenkbar!

Alle reden vom Wetter.

Momentan reden viele von dem, was sie nicht haben, was sie entbehren, wonach sie sich sehnen, was sein müsste, weil sie das Gefühl haben, dass viele Wünsche und Träume und Sehnsüchte auf der Gefällestrecke des Lebens wieder zurückgerutscht sind, aus diesen oder jenen Gründen.

Und ich denke, bei allen, die legal oder illegal dieses Land verlassen haben, und bei denen die Gründe dafür viel differenzierter betrachtet werden müssen, als es die Medien in Ost und in West mit ihrer Grobdarstellung wollen und vermögen,

aber mit empfundenen Defiziten des Lebens hat es schon etwas zu tun, mit dem Gefühl zu kurz gekommen zu sein.

Momentan scheinen Weisheit, Verstehen, Respekt und Toleranz denen gegenüber, die anders denken, weit entrückt zu sein.

Auf beiden Seiten.

Was feiern wir? Auf welchen Sinn vertrauen wir? Welche lebendigen Hoffnungen haben wir? Wovon leben wir?

Auf diese Fragen müssen wir eine tragfähige Antwort finden, oder zumindest die Richtung zur Beantwortung andeuten, wenn diese geschmückte Kirche heute Morgen nicht bloß vorgegebene Kulisse sein soll, wenn alles, was wir heute singen und sagen,

nicht bloß hohle Phrasen sein sollen.

„Wie kannst du eigentlich so ruhig bleiben und hier die Kirche schmücken bei allem, was politisch so um dich herum vorgeht?“, wurde ich gestern Morgen gefragt, als ich dabei war, die Erntegaben aufzubauen.

Nun, ruhig war ein Irrtum. Das wusste ich. Es schien nur so.

Selbst wenn die Verhältnisse nicht so sehr an den Nerven zerrten, jede Vorbereitung des Erntedankfestes – auch in früheren Jahren – hatte mich unruhig gemacht.

Das beruhigend schöne Bild der aufgebauten Gaben, der brennenden Kerzen, der Besucher, die sich daran freuten und im Gegensatz dazu das Wissen, wie der fortschrittsbegeisterte Materialismus die Achtung verloren hat vor dem lebendig Gewachsenen, vor der natürlichen Umwelt.

Wie mit ökologisch unverantwortlichen Maschinen gepflügt wird, in welchem Übermaß Dünger und Gülle auf den Boden gebracht wird, so dass an manchen Tagen in unseren Dörfern statt reinem Trinkwasser verdünnte Gülle aus dem Wasserhahn kommt.

Wie wir aus der Tierwelt ein einziges Schlachthaus gemacht haben.

Wie die Wälder absterben, so dass die Forstarbeiter Giftzuschläge bekommen und die Urlauber Kurzuschläge bezahlen. Für denselben Wald!

Wie die Natur nicht mehr als Nährmutter gesehen wird, sondern nur noch Objekt der Gier nach mehr materiellem Reichtum geworden ist.

Das alles hat mich schon immer unruhig gemacht.

Verstärkt wurde diese Unruhe dadurch, dass viele es nicht sehen wollten und jene, die gesehen haben, schwiegen, weil sie Angst vor den angedrohten Konsequenzen hatten.

Dieser Gegensatz hat mich schon immer in Unruhe versetzt.

Und dass diese Unruhe eine vorwärtstreibende Unruhe bleibt, wünsche ich uns allen.

So dass wir einmal alle Erntedank feiern können, in dem Bewusstsein, das Land, das uns nährt nicht nur ausgebeutet, sondern auch bewahrt zu haben.

Aber um diese Unruhe schöpferisch und phantasievoll umzusetzen, so dass sie lebenserhaltend wird, – und wir brauchen alle viel mehr schöpferische Phantasie

– brauche ich gute und hoffnungsvolle Erlebnisse, die geprägt sind von Freundschaft, Schönheit, Geborgenheit und Liebe.

Und in Zeiten, in denen wir die Defizite unseres Lebens fast schmerzhaft spüren, brauchen wir die Besinnung auf das, was wir haben, wovon wir leben, die Besinnung darauf, woher wir Kraft und Mut zum Leben nehmen.

Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupte fliegen, kannst du nicht ändern, aber dass sie Nester bauen, in deinem Haar, das kannst du verhindern. (Chin. Sprichwort)

Diese Kirche, in der wir heute Erntedankfest feiern, ist in unruhigen Zeiten unter persönlichen Opfern gebaut worden.

Gebaut worden, um Raum und Zeit zu geben darüber nachzudenken, was Leben im tiefsten Sinne menschlicher Existenz zum Leben macht, um darüber nachzudenken, wovon wir leben, was wir als selbstverständlich nehmen und was sich nicht von selbst versteht.

Es ist eine alte Erfahrung, dass wir uns aufhelfende, aus dem Teufelskreis der Resignation herausführende Worte, oftmals nicht selbst sagen können, sondern das sie uns zugesprochen werden müssen.

Hören wir deshalb noch einmal die einprägsamen Worte des Jesaja (58,9)

Brich dem Hungrigen dein Brot. Nimm den Obdachlosen in dein Haus. Bekleide den Nackten. Entzieh dich deinem Mitmenschen nicht. Wenn du aus deiner Mitte die Bedrückung entfernst, Die sich immer nur selbst rühmt. Und ihre Rede gegen andere führt, Dann wird im Dunkeln ein Licht strahlen. Dann wir Gott dich leiten. Und selbst in Kargen Zeiten sättigen.

Als Jesaja vor fast 3.000 Jahren seinen Mitbürgern diese Worte sagte, da wollte er ihnen, die sie schon lange Jahre im Frieden, die sie in guten wirtschaftlichen Verhältnissen lebten, darauf aufmerksam machen, dass der eigentliche Gottesdienst auch ein vor Gott sozial verantwortliches Handeln ist.

Er als Älterer wollte den Jüngeren aufzeigen, was sie alles schon besaßen und nicht teilten ohne dass es ihnen bewusst war.

Wir kennen das Problem, wenn die Älteren den Jüngeren begreifbar machen wollen, dass sie es gut haben. 44 Jahre kein Krieg, jeden Tag satt zu essen.

Wir kennen das, wenn keine Seite die andere verstehen will, das liegt – glaube ich – daran, dass Dankbarkeit nicht eingeredet werden kann, sondern aus dem eigenen Erleben kommen muss.

Oft bedingt durch die Erfahrungen die wir mit den Gegensätzlichkeiten unseres Lebens machen müssen.

(Und ganz nebenbei gesagt, sind wir ja mit all unseren Erfahrungen noch nicht am Ende.)

Können wir erst dann für jedes Stück Brot dankbar sein, das wir heute viel zu billig erwerben, wenn wir nicht mehr wissen, was wir unseren Kindern zu essen geben können?

Was haben wir denn den Millionen dieser Erde voraus, die vor Hunger nicht in den Schlaf kommen und nicht wissen, was es heißt satt zu sein?

Was haben unsere Kinder den 4.000 Kindern voraus, die täglich vor Hunger sterben?

Lassen wir diese Fragen ruhig in uns hinein, ohne sie gleich mit dem Blick in die noch reichere Bundesrepublik abzuwehren.

Ich bin überzeugt, selbst ein Besuch in Polen, Rumänien oder der SU würde uns sehr, sehr nachdenklich machen.

(Es ist ja das Paradoxe, das jene, die von uns Dankbarkeit dafür verlangen, dass wir in diesem Staat leben dürfen, uns einsperren und dadurch gerade jene Vergleiche unmöglich machen.)

Dankbarkeit kann nicht eingeredet werden.

Können wir erst für unsere Gesundheit und die Gesundheit unserer Kinder dankbar werden, wenn unser Leben im höchsten Maße gefährdet ist? Mir macht jeder Krankenhausbesuch deutlich, dass ich allen gegenüber die da bleiben müssen bevorzugt bin, wenn ich dieses Haus wieder verlassen kann. Eine Selbstverständlichkeit, die sich nicht von selbst versteht.

Nichts ist selbstverständlich in unserem Leben und die Frage- Warum denn gerade ich ? Sollte nicht nur in Notsituationen gestellt werden, sondern ganz bewusst auch an jedem Tag – an dem wir – Gott sei Dank – solche Situationen nicht erleben müssen.

Warum gerade wir nicht?

Wer von uns dadurch nachdenklicher und dankbarer wird, der wird auch sensibler für Andere! „Brich mit dem Hungrigen dein Brot.“ Wenden wir die Fantasie und Kraft auch für das Brot der anderen als wollten wir selbst dazu kommen.

Und dazu gehört auch, dass wir untereinander Kraft an Kraftlose, Fröhlichkeit an die Traurigen und Zuversicht an die Resignierten weitergeben.

„Entferne aus Deiner Mitte Bedrückung, die sich selber rühmt und die Rede gegen andere führt.“

Damit sind wir alle gemeint. Nicht nur die kirchlichen Mitarbeiter, nicht nur jene, die für das NEUE FORUM eintreten, nicht nur jene, die man am Republikgeburtstag zusammengeschlagen oder eingesperrt hat.

Wir stehen noch viel zu weit auseinander.

Wir halten unsere Häuser untereinander noch zu verschlossen.

Da kann die Not noch nicht zu groß sein.

Dankbarkeit vor Gott, dem Schöpfer, für die bunte Vielfalt des Lebens heißt auch, sich für diese bunte Vielfalt einzusetzen. Sich dem Mitmenschen nicht zu entziehen, auch seine Wünsche, Träume und Hoffnungen mit in den Blick zu bekommen. Wenn das geschieht, dann wird ein Licht im Dunkel strahlen, dann wird Gott uns leiten und selbst in kargen Zeiten sättigen. Erntedankfest.

Wir haben geerntet, oftmals auch dort, wo wir uns nicht bemüht haben, auch dafür können wir dankbar sein. So dass wir im Feiern den Sinngrund unseres Lebens feiern. Unser Leben ist eine Vorgabe Gottes. Freude und Dankbarkeit geben einen langen Atem.

Und den brauchen wir.

Ich bin das Brot des Lebens – sagt Jesus Christus.

Er ist unser Friede – sagt die Gemeinde, Amen.

Heinz Eggert

Staatsminister a.D

Rentenwünsche

Heinz Eggert

Immer wenn ich auf dem Neustädter Bahnhof noch etwas Zeit habe, trinke ich bei ihr  am Kiosk einen Kaffee.

Ich kenne sie schon seit Jahren.

Eine ältere etwas füllige Frau, die immer freundlich und schnell bedient .

Zeit zum Plausch ist auch immer.

Dieses Mal fragt sie mich, ob das Rentenkonzept so durchgehen wird.

Wahrscheinlich und leider, sage ich, denn es wird für alle sehr teuer werden.

Das beeindruckt sie nicht sehr.

Sie hält dagegen, das  in der Politik immer genug Geld verschleudert wird, worüber sich kaum jemand aufregt.

Sie wird im Herbst 63 Jahre alt, habe dann 45 Arbeitsjahre hinter sich-die nie einfach waren- und werde dann Rente beantragen.

Ich möchte mein Leben auch noch etwas genießen, sagt sie und fügt hinzu, dass ihre Freundin gerade mit 66 Jahren gestorben sei.

Dagegen gibt es kein Argument.

Außerdem sieht sie mich so entschlossen an, dass ich mir alle volkswirtschaftlichen Argumente dagegen verkneife.

Zumindest sage ich ihr das.

Aber, sage ich dann, was ihre Kinder wohl dazu sagen werden, wenn die Rentenbeiträge steigen und es später schmerzhafte Rentenreformen geben muss, die sie benachteiligen.

Sie durchschaut mich und lacht.

Ich glaube mein Sohn hat die gleichen Bedenken wie Sie, aber er ermuntert mich dazu und freut sich für mich, weil er weiß, wie schwer ich gearbeitet habe.

Mutter, sagt er, mach noch etwas aus deinem Leben !

Schau an, denke ich, auch Irrationales wird akzeptiert, wenn sich ein momentaner Vorteil

ergibt. Da gibt es zwischen Wählern und Politikern keinen Unterschied.

Da mein Zug gleich fährt ,verabschiede ich mich.

Drücken Sie mir die Daumen, dass die Rentenreform durchkommt, sagt sie lächelnd zum Abschied.

Dann bricht er mir, grinse ich zurück.

Charmant setzt sie dagegen, ich solle doch einfach einmal an sie denken.

Dazu habe ich während der Zugfahrt, durch die verschneite Schneelandschaft, auch genug Zeit.

45 Arbeitsjahre sind ja eine lange Zeit. Wer hat die schon?

Und wer sie hat, gehörte ganz bestimmt nicht zu den oberen Gehaltsklassen.

Immerhin haben sie schon zehn Jahre lang gearbeitet und in die Kassen eingezahlt, während sich mancher Student mit 28 Jahren, noch einmal vorgenommen hat zur Selbstverwirklichung noch ein neues Studium aufzunehmen.

Das meine ich jetzt ein wenig ironisch, aber wer über längere Arbeitsjahre nachdenkt, der muss auch über kürzere Ausbildungszeiten nachdenken, damit eher in das Rentensystem eingezahlt werden kann.

Jetzt wird das Leistungsvermögen der Älteren entdeckt, weil man sie braucht.

Aber was haben denn die Arbeitgeber getan um die Leistungspotenziale  durch das Erwerbsleben hindurch so  zu fördern ,das  Risikofaktoren reduziert werden und die Leistungsfähigkeit auch im Alter erhalten bleibt ?

Ich bin im Großen gegen die Rente mit 63, aber der arbeitsamen Frau gönne ich sie.

Irrational !

Oder?

       Heinz Eggert

Langer Jahresvorblick

Heinz Eggert

Dieses Weihnachten war für uns außergewöhnlich.

Denn in unsere Weihnachtsstube, die mit ihren Pyramiden und dem Engelberg unseren Kindern von klein auf an vertraut ist, kamen auch unsere fünf Enkel.

Wobei drei noch getragen wurden, weil sie erst im letzten Sommer geboren wurden.

 

Aber das war gleich, denn der Schein der Weihnachtskerzen spiegelte sich in allen Augen wieder.

Für mich war das größte Geschenk, dabei zu sein.

 

Jetzt ist Weihnachten vorbei, alles rüstet sich für den Jahreswechsel, Jahresrückblicke und Jahresvorschauen  wechseln sich ab.

 

Als ich geboren wurde lag die Welt meine Eltern noch in Trümmern.

Nicht nur die Bauten sondern auch die Psyche.

Ich hatte es schon besser.

Ich brauchte nicht zu hungern und Krieg habe ich nicht erleben müssen. Gott sei Dank!

Für unsere Kinder sind die Zeiten noch  anders.

 

Größere demokratische Freiheiten-für mich zu DDR Zeiten nur vorstellbar aber nicht erlebbar -aber auch mehr Eigenverantwortung für sich und die Gesellschaft.

Sie müssen wissen, wenn es nicht gute Chancen für alle gibt, bleibt eine Gesellschaft chancenlos.

 

Unsere im Sommer geborenen Enkelkinder könnten zur nächsten Jahrhundertwende 87 Jahre alt sein.

Dann bin ich nicht mehr da.

Aber das ist die einzige Gewissheit, bei allem was sie dann erleben werden und durchstehen müssen.

Bei allen guten Wünschen für sie, bleibt ihre Zukunft für mich natürlich ein Geheimnis.

 

Aber vielleicht können wir Ihnen die richtige Reihenfolge in der Sichtweise des Lebens vermitteln.

So wie ist es dieser Rabbi tat, zu dem ein Jude kam und sagte:

„Es ist entsetzlich.  Gehst Du zu einem Armen: Er ist freundlich und hilft dir, wenn er kann.
Gehst du zu einem Reichen, sieht er dich nicht einmal.
Was ist das nur für ein Geheimnis dem Geld?“ 

Da antwortet der Rabbi: „Tritt ans Fenster. Was siehst du?“
„Ich sehe eine Frau mit einem Kind. Ich sehe einen Wagen…“

„Gut“, sagte der Rabbi, „und jetzt stell dich hier vor den Spiegel!
Was siehst du nun?“
„Was werde ich sehen? Klar– mich selber.“
„Ja so ist das. Das Fenster ist aus Glas gemacht, und der Spiegel ist auch aus Glas gemacht.

Kaum legst du ein bisschen Silber hinter die Oberfläche – schon siehst du nur noch dich selber.“

 

Jetzt klopft gerade mein dreijähriger Enkel, der weiß, dass seine Botschaft wichtig sein muss, wenn er den  Opa beim Schreiben stören will.

Opa, ich habe ein Geheimnis, sagt er ganz aufgeregt.

Ich auch, erwidere ich.

 

Er wird diese Geschichte noch nicht verstehen.

Aber vom späteren Begreifen wird auch seine Zukunft abhängen.

Unsere übrigens auch.

 

Oder?

 

       Heinz Eggert

                    Staatsminister a.D

 

Präsident der Fernseh Akademie

Mitteldeutschland e.V.

 Academy for Television and Broadcasting Central Germany

         

             02797 Kurort Oybin

07.10.2013 …das heute der 64. Jahrestag der DDR wäre

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07. Oktober 1989!

40. Staatsfeiertag der DDR.

In der Oybiner Bergkirche feierten wir Erntedank.

Auf der Einladung war vermerkt: Damit wir an diesem Tag auch etwas zu feiern haben.

Das weiß ich nach 20 Jahren noch deshalb so genau, weil ich den Text und die Plakate in meinen Staatssicherheitsakten wiedergefunden habe.

Der Trompeter aus Cottbus kam eine Stunde zu spät zum Konzert: vier Mal Polizeisperren an der Grenzstraße zu Polen, vier Mal musste er seine Instrumentenetuis öffnen. Wirklich nur Trompeten.

Nach dem Konzert sprach mich ein Ehepaar an. Sie hatten Tränen in den Augen.

Der Junge sei mit Freunden verschwunden. Richtung Ungarn. Ein Zettel: Wir rufen euch aus dem Westen an.

Der andere Sohn war in Berlin bei den Grenztruppen. Urlaubssperre.

Abends war ich fassungslos. Vor dem Fernseher. Jubelnd ziehen Massen in Berlin am Generalsekretär der SED und Staatsratsvorsitzenden der DDR und Vorsitzenden des Verteidigungsrates usw. vorbei. Später würden die Marschierer sagen, ihre geballten Fäuste in Richtung Tribüne waren ihr Protest. Die lachenden Gesichter waren nur Tarnung. Warum durfte ich erst 1990 erfahren, unter lauter Widerstandskämpfern gelebt zu haben?

Sie hatten sich wirklich gut getarnt.

Im Palast der Republik – auch respektlos Erichs Lampenladen – genannt, moderierte Carmen Nebel charmant die angemessene Trauerveranstaltung zur freudigen Polit-Geburtstagsfeier um. Die dort auftretenden Künstler murmelten später etwas über Zwang, die leider vorher erkrankten über Widerstand.

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Gorbatschow äußerte sich in Berlin sybillinisch über die Entwicklung in der DDR. Was er nicht wusste: in wenigen Monaten würde sein Imperium zusammenstürzen.

 

08. Oktober 1989. Unser Sohn kam von einer Schulveranstaltung aus dem Pionierlager zurück.

Wir wussten nicht – woher auch – dass es ein Internierungslager werden sollte. Dass wir auch auf der Liste standen.

Seine Frage: Wisst ihr schon, dass die NVA an der Grenze steht?

Er meinte unsere Grenze. Wir wohnten 130 m von der tschechischen Grenze entfernt. Ich machte einen Erkundungsspaziergang. Kinderwagen lagen in den Gebüschen.

Sie hinderten bei der Flucht.

Familien versuchten illegal über die tschechische Grenze nach Ungarn zu kommen. Rostocker, Berliner – Sachsen sowieso.

Nachbarn, aufmerksame Grenzhelfer, informierten ihre zuständigen Dienststellen. Ihr Kommentar später: Weißt du, sonst wäre ich dran gewesen.

Ich weiß.

Aber jetzt waren erst einmal die Ertappten dran.

Die Flüchtigen wurden auf LKWs verladen.

Männer, Frauen und Kinder.

Ins Gefängnis.

Warum blieben sie nicht? Die Wende kam doch. Haben wir doch alle gewusst. Oder?

Ich ging weiter bis an die Grenze. Im doppelten Sinn. Zwei junge Soldaten, mit MPI bewaffnet: Bürger Ihren Personalausweis!

Ich sagte: Ich bin der Ortspfarrer, ich trage meinen Ausweis nie dabei, wenn ich durch den Ort gehe.

Entschuldigen Sie, sagt der Eine, das haben wir nicht gewusst. Sie sind aber verpflichtet, sagte der Andere matt.

Die sollen erst einmal in Berlin ihre Pflicht tun, sagte ich.

Sie nickten.

Am liebsten hätten sie ihre Knarre an einen der umweltgeschädigten Bäume gehängt und wären in Richtung Ungarn hinterhergelaufen.

Vielleicht, sagte ich zu meiner Frau, hält sich das hier nicht mehr lange.

Vielleicht?

       Heinz Eggert

„Denk ich an Deutschland…“

Heinz Eggert auf der Burg und Kloster Oybin
Wir feiern gerne den 3.Oktober als Feiertag, weil es da wirklich viel zu feiern gibt.
Dieses Jahr in Ulm.
Beste Feiertagsgrüße  Heiner und Ulrike Eggert

„Denk ich an Deutschland…“

DNN  03.10.2012

Chefredakteure haben es einfach. Manchmal jedenfalls.

Sie rufen jemanden an- mich z.B.-und sagen, dass sie sich freuen würden wenn ich als Gastautor etwas zum 3. Oktober schreiben würde.

Grundsätzlich: Ja! Aber was?

Dicke Bücher könnte man schreiben und käme trotzdem nicht ans Ende.

In der Ausgestaltung bist Du völlig frei, kommt die Antwort.

Allerdings haben wir ein Thema und das lautet: „Denk ich an Deutschland…“

In der Ausgestaltung bin ich frei und sofort im Denken gebunden.

 

„Denk ich an Deutschland…“ Bei dieser Zeile denke ich doch sofort den Text weiter und natürlich auch an Heinrich Heine. Von dessen Worten ich mich allerdings gerne binden lasse, weil sie mich in ihrer heiteren ironischen Art, zwischen denen oft die Schwermut aufblitzt, schon immer fesselten.

Andererseits; kaum ein Zitat wird wohl so oft benutzt wie die ersten zwei Zeilen aus dem Gedicht “Nachtgedanken”. Kaum gibt es etwas gegen Deutschland zu schreiben, wird dieses Zitat herangezogen, weil dann angeblich viele um den Schlaf gebracht sind.

Wenn sie es nur wären, dann wären sie glaubhafter.

Also versuche ich mich jetzt mit ein paar Denkstößen diesem Thema zu nähern.

 

„Denk ich an Deutschland..“

40 Jahre lang habe ich in einem Staat gelebt, in dem ich aus ideologischen Gründen nicht deutsch sondern „ DDR „sein sollte und kam dann 1990 in einen Staat, in dem viele -auch aus ideologischen Gründen- nicht deutsch sein wollten.

Bis 1986 konnte ich noch nicht einmal über die innerdeutsche Grenze träumen. Mir fehlte vom anderen Teil Deutschlands die reale Vorstellung.

Dann durfte ich für zehn Tage  die DDR verlassen und nach Trier fahren, um das erste Mal in meinem Leben meinen  Vater zu sehen. Nach 40 Jahren hatte ich ihn endlich gefunden. Ohne Vater wird man nicht erwachsen. Ich zumindest!

Ich fuhr das erste Mal, in meines Vaters- Land, am Rhein und an der Mosel entlang und erkannte die Landschaften wieder. Sie waren mir vertraut durch Dichtung, Malerei und Musik.

Es gab keine Fremdheit. Sie gehörten genauso zu mir wie Heinrich Heines „Deutschland ein Wintermärchen“ oder “Die Lorelei“, die ich jetzt das erste Mal sah oder meine Geburtsstadt Rostock und mein Wohnort Oybin.

Mein Heimatbegriff vergrößerte sich.

Deshalb: Ich lebe gerne in Deutschland, weil Deutschland meine Heimat ist.

Man muss nicht stolz darauf sein, aber froh.

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Mensch eine Heimat haben muss, um keine Angst vor der Fremde oder vor Fremden zu haben. Wer verwurzelt ist, übersteht auch so manchen Sturm.

Ich kann  Heinrich Heines Sehnsucht nach Deutschland aus der Ferne verstehen.

Vielleicht sieht man aus der Ferne, mit dem notwendigen Abstand, manchmal schärfer und wird dabei etwas weiser.

Allerdings müssten wir Deutschen mit unserer ungeheuren Reiselust, dann zu den klügsten Völkern gehören. Gehören wir aber nicht. Man kann auch viel reisen und nichts begreifen.

 

Noch besser verstehen kann ich Heinrich Heine, wie sehr ihm ein repressives  politisches Regime, das trennende Grenzen zwischen den Menschen aufgerichtet hatte, zuwider war.

 

Nach Deutschland lechzt’ ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär’;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.“

 

1986, in dieser Zeit des Gleichgewicht des Schreckens- wobei der Schrecken bei uns angesiedelt war- durfte ich meinen  Vater nur ein einziges Mal für zehn Tage sehen.

Da er schon sehr krank und nicht reisefähig war, haben  unsere vier Kinder ihren Großvater nie kennengelernt. Obwohl sie zur gleichen Zeit unter einem Himmel in Deutschland lebten.

Geteilter Himmel , geteiltes Land und verfluchte Grenze!

Wie viele ähnliche Geschichten waren mir oftmals unter Tränen erzählt worden.

Wie viele Tränen sind in diesen Jahren auf beiden Seiten der Grenze geweint worden.

Anfang der Achtzigerjahre war ich mit einer Frau, deren Mutter zur gleichen Zeit auf einem Hamburger Friedhof beerdigt wurde, auf den Oybiner Friedhof gegangen um der Mutter zu gedenken.  Vergeblich hatte die Tochter in den vorausgegangenen Monaten versucht, eine Reiseerlaubnis zu ihrer schwer erkrankten Mutter zu bekommen. Es war damals nicht nur die Ablehnung, die ihr so sehr zu schaffen machte. Es war auch die Art und Weise, wie sie auf diesem Amt behandelt wurde.

Als ihr die Reise zur schwerkranken Mutter abgelehnt wurde und sie fragte, was sie machen solle, wenn ihre Mutter sterbe, war die schnippische und kränkende Antwort der Genossin: „Dann erübrigt sich endlich  Ihr Reiseantrag.“

Gesetz ist Gesetz. Gar keine Frage. Aber muss ein unmenschliches Gesetz auch noch  durch ein unmenschliches Verhalten in seiner Wirkung verstärkt werden?

Die Grenzen sind gefallen. An der  freundlichen und menschlichen Behandlung auf den Ämtern wird weiter gearbeitet.

 

„Das Vaterland wird nie verderben! „

 

Ich habe Heinrich Heine diesen Satz nie geglaubt. Zumindest war ich mir sicher, die deutsche Einheit nicht zu erleben.

Deshalb freue ich mich über meinen Irrtum noch immer unbändig.

 

Ich kann auf Vieles verzichten, was ich mir heute aufgrund meines Gehaltes kaufen kann.

Genau betrachtet, ist es auch erstaunlich, was wir alle kaufen, ohne es wirklich zu brauchen.

Aber nicht verzichten möchte ich darauf, dass meine Kinder in der Schule ihre Meinung sagen können, ohne dass sie und wir befürchten müssen, dass sie dadurch später nicht auf die Oberschule kommen bzw. nicht mehr studieren dürfen.

 

Nicht noch einmal möchte ich erleben, dass junge Leute, die politische Witze reißen, sich dann für vier oder fünf Wochen in der Untersuchungshaft bei der Staatssicherheit wiederfinden, ohne dass ihre Eltern überhaupt benachrichtigt wurden, wo ihre Kinder sind. Und nicht noch einmal erleben möchte ich, dass Menschen, die nicht einverstanden sind, dass ihnen nur ein bestimmter Platz an Bewegungsfreiheit zugestanden wird, erschossen werden, wenn sie diesen Platz verlassen wollen.

 

Da der Prozess der Deutschen Einheit noch nicht abgeschlossen ist, ist es auch insgesamt in Deutschland einmal nötig über Demokratie nachzudenken. Und über Wohlstand – den manche so gern in Verbindung bringen mit diesem Wort Demokratie.

 

Es wäre verhängnisvoll, wenn die Menschen in Deutschland zu dem Entschluss kämen, dass die Demokratie nichts taugt, weil einzig ihr grenzenloses Wohlstandsbedürfnis nicht erfüllt werden kann.

Das Steigen des Bruttosozialproduktes, auf das wir ja alle schauen, obwohl kaum einer genau weiß, was es ist, ist kein demokratischer Grundwert.

Und wenn es auch ein Glück ist, in einem Land mit einer freiheitlich-demokratische Ordnung geboren zu sein, so muss man auch deutlich fragen, ob es für dieses Land noch ein Glück wäre, wenn alle Bürger und Bürgerinnen darin eine Selbstverständlichkeit sähen.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland brauchen wir  Zivilcourage und Rückgrat. Man sollte sich allerdings auch der Gefahr bewusst sein, dafür Nackenschläge einstecken zu müssen – weniger politischer Art, wohl aber im privaten und geschäftlichen Bereich.

 

Es gibt geschichtliche Ereignisse, auf die wir auch als Deutsche stolz sein dürfen.

Die friedliche Revolution, die dann zum 3. Oktober 1990 geführt hat, ist ein solches Ereignis. Dadurch ist Gesamtdeutschland wieder demokratisch  und für die Welt durchschaubarer und berechenbarer geworden.

Müssten wir  Deutschen nicht auch noch nach 22 Jahren Deutscher Einheit  Gott auf Knien danken?

Die Ostdeutschen, weil Gott sei Dank  der Honeckerspuk vorbei ist.

Die Westdeutschen und die Nachgeborenen, weil sie ihn nicht erleben mussten.

Und beide gemeinsam,  weil bei allen Schwierigkeiten, den  vorgefundenen und den selbstgemachten, vom Fakt der Deutschen Einheit auch nach 22 Jahren nur mit unbändiger Freude gesprochen werden kann, weil es – Gott sei Dank-so gekommen ist.

Und  weil kein Blut vergossen wurde.

Ich habe einen Freund in Polen, der hat mir 1989 gesagt: „Dir gönne ich ja die Deutsche Einheit, aber Euch gönne ich sie nicht. Ihr wart immer kommunistischer als wir und Ihr habt es wieder geschafft.“ Der zweite Satz war: „Wir Polen hätten 100 Jahre getrennt sein können, dann hätten wir gesagt, Polen gehören zu Polen, hoch lebe Polen.“

 

Er hat recht. Heinrich Heine auch.

 

„Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.“

 

Um die Sorgen kümmern wir uns morgen wieder.

Die bleiben uns erhalten.

Heute wird gefeiert!

 

Heinz Eggert

       Heinz Eggert