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Schlossfest Hainewalde

Schlossfest Hainewalde 2016

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Johannes Gaudium 2016 Forst / Lausitz

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Bergquell Brauereifest Löbau 2016 Das Fest zum Jubiläum

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Tag Archives: burg un

„Denk ich an Deutschland…“

Heinz Eggert auf der Burg und Kloster Oybin
Wir feiern gerne den 3.Oktober als Feiertag, weil es da wirklich viel zu feiern gibt.
Dieses Jahr in Ulm.
Beste Feiertagsgrüße  Heiner und Ulrike Eggert

„Denk ich an Deutschland…“

DNN  03.10.2012

Chefredakteure haben es einfach. Manchmal jedenfalls.

Sie rufen jemanden an- mich z.B.-und sagen, dass sie sich freuen würden wenn ich als Gastautor etwas zum 3. Oktober schreiben würde.

Grundsätzlich: Ja! Aber was?

Dicke Bücher könnte man schreiben und käme trotzdem nicht ans Ende.

In der Ausgestaltung bist Du völlig frei, kommt die Antwort.

Allerdings haben wir ein Thema und das lautet: „Denk ich an Deutschland…“

In der Ausgestaltung bin ich frei und sofort im Denken gebunden.

 

„Denk ich an Deutschland…“ Bei dieser Zeile denke ich doch sofort den Text weiter und natürlich auch an Heinrich Heine. Von dessen Worten ich mich allerdings gerne binden lasse, weil sie mich in ihrer heiteren ironischen Art, zwischen denen oft die Schwermut aufblitzt, schon immer fesselten.

Andererseits; kaum ein Zitat wird wohl so oft benutzt wie die ersten zwei Zeilen aus dem Gedicht “Nachtgedanken”. Kaum gibt es etwas gegen Deutschland zu schreiben, wird dieses Zitat herangezogen, weil dann angeblich viele um den Schlaf gebracht sind.

Wenn sie es nur wären, dann wären sie glaubhafter.

Also versuche ich mich jetzt mit ein paar Denkstößen diesem Thema zu nähern.

 

„Denk ich an Deutschland..“

40 Jahre lang habe ich in einem Staat gelebt, in dem ich aus ideologischen Gründen nicht deutsch sondern „ DDR „sein sollte und kam dann 1990 in einen Staat, in dem viele -auch aus ideologischen Gründen- nicht deutsch sein wollten.

Bis 1986 konnte ich noch nicht einmal über die innerdeutsche Grenze träumen. Mir fehlte vom anderen Teil Deutschlands die reale Vorstellung.

Dann durfte ich für zehn Tage  die DDR verlassen und nach Trier fahren, um das erste Mal in meinem Leben meinen  Vater zu sehen. Nach 40 Jahren hatte ich ihn endlich gefunden. Ohne Vater wird man nicht erwachsen. Ich zumindest!

Ich fuhr das erste Mal, in meines Vaters- Land, am Rhein und an der Mosel entlang und erkannte die Landschaften wieder. Sie waren mir vertraut durch Dichtung, Malerei und Musik.

Es gab keine Fremdheit. Sie gehörten genauso zu mir wie Heinrich Heines „Deutschland ein Wintermärchen“ oder “Die Lorelei“, die ich jetzt das erste Mal sah oder meine Geburtsstadt Rostock und mein Wohnort Oybin.

Mein Heimatbegriff vergrößerte sich.

Deshalb: Ich lebe gerne in Deutschland, weil Deutschland meine Heimat ist.

Man muss nicht stolz darauf sein, aber froh.

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Mensch eine Heimat haben muss, um keine Angst vor der Fremde oder vor Fremden zu haben. Wer verwurzelt ist, übersteht auch so manchen Sturm.

Ich kann  Heinrich Heines Sehnsucht nach Deutschland aus der Ferne verstehen.

Vielleicht sieht man aus der Ferne, mit dem notwendigen Abstand, manchmal schärfer und wird dabei etwas weiser.

Allerdings müssten wir Deutschen mit unserer ungeheuren Reiselust, dann zu den klügsten Völkern gehören. Gehören wir aber nicht. Man kann auch viel reisen und nichts begreifen.

 

Noch besser verstehen kann ich Heinrich Heine, wie sehr ihm ein repressives  politisches Regime, das trennende Grenzen zwischen den Menschen aufgerichtet hatte, zuwider war.

 

Nach Deutschland lechzt’ ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär’;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.“

 

1986, in dieser Zeit des Gleichgewicht des Schreckens- wobei der Schrecken bei uns angesiedelt war- durfte ich meinen  Vater nur ein einziges Mal für zehn Tage sehen.

Da er schon sehr krank und nicht reisefähig war, haben  unsere vier Kinder ihren Großvater nie kennengelernt. Obwohl sie zur gleichen Zeit unter einem Himmel in Deutschland lebten.

Geteilter Himmel , geteiltes Land und verfluchte Grenze!

Wie viele ähnliche Geschichten waren mir oftmals unter Tränen erzählt worden.

Wie viele Tränen sind in diesen Jahren auf beiden Seiten der Grenze geweint worden.

Anfang der Achtzigerjahre war ich mit einer Frau, deren Mutter zur gleichen Zeit auf einem Hamburger Friedhof beerdigt wurde, auf den Oybiner Friedhof gegangen um der Mutter zu gedenken.  Vergeblich hatte die Tochter in den vorausgegangenen Monaten versucht, eine Reiseerlaubnis zu ihrer schwer erkrankten Mutter zu bekommen. Es war damals nicht nur die Ablehnung, die ihr so sehr zu schaffen machte. Es war auch die Art und Weise, wie sie auf diesem Amt behandelt wurde.

Als ihr die Reise zur schwerkranken Mutter abgelehnt wurde und sie fragte, was sie machen solle, wenn ihre Mutter sterbe, war die schnippische und kränkende Antwort der Genossin: „Dann erübrigt sich endlich  Ihr Reiseantrag.“

Gesetz ist Gesetz. Gar keine Frage. Aber muss ein unmenschliches Gesetz auch noch  durch ein unmenschliches Verhalten in seiner Wirkung verstärkt werden?

Die Grenzen sind gefallen. An der  freundlichen und menschlichen Behandlung auf den Ämtern wird weiter gearbeitet.

 

„Das Vaterland wird nie verderben! „

 

Ich habe Heinrich Heine diesen Satz nie geglaubt. Zumindest war ich mir sicher, die deutsche Einheit nicht zu erleben.

Deshalb freue ich mich über meinen Irrtum noch immer unbändig.

 

Ich kann auf Vieles verzichten, was ich mir heute aufgrund meines Gehaltes kaufen kann.

Genau betrachtet, ist es auch erstaunlich, was wir alle kaufen, ohne es wirklich zu brauchen.

Aber nicht verzichten möchte ich darauf, dass meine Kinder in der Schule ihre Meinung sagen können, ohne dass sie und wir befürchten müssen, dass sie dadurch später nicht auf die Oberschule kommen bzw. nicht mehr studieren dürfen.

 

Nicht noch einmal möchte ich erleben, dass junge Leute, die politische Witze reißen, sich dann für vier oder fünf Wochen in der Untersuchungshaft bei der Staatssicherheit wiederfinden, ohne dass ihre Eltern überhaupt benachrichtigt wurden, wo ihre Kinder sind. Und nicht noch einmal erleben möchte ich, dass Menschen, die nicht einverstanden sind, dass ihnen nur ein bestimmter Platz an Bewegungsfreiheit zugestanden wird, erschossen werden, wenn sie diesen Platz verlassen wollen.

 

Da der Prozess der Deutschen Einheit noch nicht abgeschlossen ist, ist es auch insgesamt in Deutschland einmal nötig über Demokratie nachzudenken. Und über Wohlstand – den manche so gern in Verbindung bringen mit diesem Wort Demokratie.

 

Es wäre verhängnisvoll, wenn die Menschen in Deutschland zu dem Entschluss kämen, dass die Demokratie nichts taugt, weil einzig ihr grenzenloses Wohlstandsbedürfnis nicht erfüllt werden kann.

Das Steigen des Bruttosozialproduktes, auf das wir ja alle schauen, obwohl kaum einer genau weiß, was es ist, ist kein demokratischer Grundwert.

Und wenn es auch ein Glück ist, in einem Land mit einer freiheitlich-demokratische Ordnung geboren zu sein, so muss man auch deutlich fragen, ob es für dieses Land noch ein Glück wäre, wenn alle Bürger und Bürgerinnen darin eine Selbstverständlichkeit sähen.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland brauchen wir  Zivilcourage und Rückgrat. Man sollte sich allerdings auch der Gefahr bewusst sein, dafür Nackenschläge einstecken zu müssen – weniger politischer Art, wohl aber im privaten und geschäftlichen Bereich.

 

Es gibt geschichtliche Ereignisse, auf die wir auch als Deutsche stolz sein dürfen.

Die friedliche Revolution, die dann zum 3. Oktober 1990 geführt hat, ist ein solches Ereignis. Dadurch ist Gesamtdeutschland wieder demokratisch  und für die Welt durchschaubarer und berechenbarer geworden.

Müssten wir  Deutschen nicht auch noch nach 22 Jahren Deutscher Einheit  Gott auf Knien danken?

Die Ostdeutschen, weil Gott sei Dank  der Honeckerspuk vorbei ist.

Die Westdeutschen und die Nachgeborenen, weil sie ihn nicht erleben mussten.

Und beide gemeinsam,  weil bei allen Schwierigkeiten, den  vorgefundenen und den selbstgemachten, vom Fakt der Deutschen Einheit auch nach 22 Jahren nur mit unbändiger Freude gesprochen werden kann, weil es – Gott sei Dank-so gekommen ist.

Und  weil kein Blut vergossen wurde.

Ich habe einen Freund in Polen, der hat mir 1989 gesagt: „Dir gönne ich ja die Deutsche Einheit, aber Euch gönne ich sie nicht. Ihr wart immer kommunistischer als wir und Ihr habt es wieder geschafft.“ Der zweite Satz war: „Wir Polen hätten 100 Jahre getrennt sein können, dann hätten wir gesagt, Polen gehören zu Polen, hoch lebe Polen.“

 

Er hat recht. Heinrich Heine auch.

 

„Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.“

 

Um die Sorgen kümmern wir uns morgen wieder.

Die bleiben uns erhalten.

Heute wird gefeiert!

 

Heinz Eggert

       Heinz Eggert